Fact sheet
SOLARINDUSTRIE IN EUROPA
- Die EU ist weltweit Musterbeispiel für die Nutzung umweltfreundlicher und erneuerbarer Energieformen und hat sich hohe Ziele gesteckt: Bis 2020 müssen mindestens 20 % des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien stammen (aktuell liegt dieser Wert in der EU bei 13 %).
- 300.000 Arbeitsplätze wurden allein in den letzten fünf Jahren in diesem Wirtschaftszweig geschaffen, Tendenz steigend; die meisten davon im Bereich Photovoltaik.
- 2011 wurden in Europa Solarstromanlagen mit einer Gesamtkapazität von 21.9 GW installiert, das macht 75% der weltweiten Neuinstallationen aus.
- 75% der insgesamt weltweit installierten Photovoltaikkapazität entfallen auf Europa.
- Die EU ist in der PV-Forschung weltweit führend; die meisten PV-Patente werden in Europa angemeldet.
- Aufgrund des hohen Automatisierungsgrads entfallen in der EU nur 10% der Produktionskosten auf die Personalkosten. Somit sind europäische Hersteller global wettbewerbsfähig. China als Niedriglohnland hat keinen Kostenvorteil im Vergleich zu den europäischen Herstellern – alleiniger Vorteil der Volksrepublik sind seine enormen Subventionen, die laut internationalen Handelsregeln wettbewerbswidrig sind.
EU PROSUN
- Die Industrieinitiative EU ProSun vertritt den Großteil der europäischen PV-Hersteller. EU ProSun wird nicht nur von Herstellern aus ganz Europa unterstützt, sondern auch von vielen weiteren Akteuren der Solarbranche.
- Da die Unterstützer von EU ProSun Vergeltungsmaßnahmen befürchten, wahrt EU ProSun die Anonymität ihrer Mitglieder. Dieses Vorgehen ist völlig legal und selbstverständlich für die Europäische Kommission.
UNFAIRE CHINESISCHE PRAKTIKEN
- China hat die Photovoltaik zur Schlüsselbranche und zum Zukunftsmarkt erklärt. Im 12. Fünfjahresplan der Volksrepublik China wurde dieser Spitzentechnologie sogar ein ganzes Kapitel gewidmet. Hier werden Banken, lokale Behörden und andere Finanzquellen angewiesen, die Solarbranche umfassend mit Subventionen zu unterstützen.
- China ist weltgrößter Hersteller von Solarmodulen. Ca. 65 % aller Solarmodule weltweit wurden in China hergestellt.
- Mehr als 90 % der chinesischen Produktion wurden exportiert, der Großteil davon (80 %) in die EU.
- China produziert für den Export: 2011 lag die chinesische Produktionskapazität bei 45 GW. Die Nachfrage weltweit betrug aber bei 28 GW, in der EU 22 GW und in China lediglich 2 GW. Das bedeutet, dass die Produktionskapazität der Volksrepublik China mehr als 20-mal höher ist als ihre Binnennachfrage.
- Solarimporte aus China in die EU sind in den letzten drei Jahren enorm gestiegen, von 3.7 GW im Jahr 2009 auf 17.6 GW im Jahr 2011.
- Chinesische Produkte hatten 2009 einen EU-Marktanteil von 63%, 2011 betrug ihr Anteil bereits 80%.
- 2011 exportierte China in die EU Solarprodukte mit einem Wert von 21 Milliarden Euro.
- Der Preis eines chinesischen Solarmoduls lag im Jahr 2008 bei 3 €/Wp. Nach der Verabschiedung des Fünfjahrplans und der damit verbundenen massiven Subventionierung wurden die Preise schlagartig gesenkt. Heute liegen die Preise unter 0,40 €/Wp. Verglichen mit den Zielen des chinesischen Fünfjahresplans, liegen diese (Verkaufs-)Preise weit unter den für 2015 angestrebten Produktionskosten in Höhe 0,87 €/Wp, d.h. dass sich heute sogar die chinesischen Produktionskosten oberhalb der 0,87 €/Wp befinden müssen.
- Chinesische Solarhersteller weisen einen extrem hohen Schuldenstand auf und fahren massive Verluste ein. Trotzdem weiten sie ihre Produktionskapazitäten aus. Westliche Maßstäbe angesetzt, wären viele der größten chinesischen Unternehmen insolvent. Massive Subventionen bewahren die Unternehmen vor dem Kollaps. Staatseigene chinesische Banken leihen weiterhin unprofitablen Unternehmen Geld, um die PV-Branche zu unterstützen. Europäische Unternehmen müssen ohne Unterstützungen dieser Art auskommen und werden nach und nach mittels chinesischer Dumpingpreise vom Markt verdrängt.
- Allein in diesem Jahr mussten aufgrund der chinesischen Dumpingpreise 30 europäische Solarunternehmen Insolvenz anmelden, sich aus der Solarbranche zurückziehen, Mitarbeiter entlassen oder wurden von ausländischen Investoren übernommen. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren, viele Fabriken mussten geschlossen werden, F&E kam zum Stillstand.
DIE ZUKUNFT DER ERNEUERBAREN ENERGIEN UND DER SOLARBRANCHE
- Dank intensiver Forschung und technologischer Innovationen sinken die Kosten für Solarmodule. Der durchschnittliche Preis eines PV-Moduls in Europa (Dumping ausgenommen) war 2012 etwa 60% niedriger als noch vor fünf Jahren. Dieser Trend setzt sich fort.
- Fairer Wettbewerb ist weltweit notwendig, um Innovationen zu stimulieren und die Module kostengünstiger zu machen. Viele große Solarhersteller haben ihren Sitz in der EU, aber auch in Asien (Japan, Südkorea, China, Taiwan) und in den USA.
- Wenn China nicht gestoppt wird, hat dies negative Konsequenzen für den Ausbau der Solarenergie weltweit: Sofern weiterhin gedumpt wird, werden die meisten globalen Marktteilnehmer sich ebenfalls aus dem Markt zurückziehen müssen und China wird de facto das Monopol für diesen Markt besitzen. Die EU würde damit in eine absolute Abhängigkeit von der chinesischen Produktion und den chinesische Preisen geraten.
- China gefährdet nicht nur die Solarindustrie, auch andere Branchen sind Ziel chinesischer Monopol-Gier, z. B. die Windenergie.
HANDELSPOLITISCHE SCHUTZINSTRUMENTE
- Handelspolitische Schutzinstrumente dienen nicht einem Protektionismus, sondern stellen vielmehr sicher, dass jeder Marktteilnehmer sich an die internationalen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) hält, wie zum Beispiel an die WTO-Vereinbarung zu Anti-Dumping.
- Handelspolitische Schutzinstrumente behindern den Handel nicht zusätzlich, sondern stellen sicher, dass Produkte zu fairen Preisen und nicht z. B. unter den Produktionskosten verkauft werden. Wenn auf chinesische Importe handelspolitische Schutzinstrumente angewendet werden, wird die EU weiterhin chinesische Produkte importieren. Dann aber zu fairen Preisen, bei denen die Produktionskosten und weitere Kosten eingepreist sind. Chinesische Hersteller werden weiterhin willkommen sein, um mit den europäischen Herstellern zu konkurrieren. Allerdings unter gleichen Bedingungen für Alle, bei denen jeder mit Respekt gegenüber den anderen Marktteilnehmern agiert.
UNTERSUCHUNG
- Am 25. Juli 2012 hat EU ProSun bei der Europäischen Kommission eine Anti-Dumping-Beschwerde eingereicht.
- Am 6. September 2012 hat die Europäische Kommission offiziell eine Anti-Dumping-Untersuchung eingeleitet, nachdem die Rechtmäßigkeit der Beschwerde bestätigt wurde und sichergestellt ist, dass die Beschwerdeführer mindestens 25 % der EU-Produktion repräsentieren und die vorgebrachten Beweismittel ausreichen.
- Die Untersuchung dauert bis zu 15 Monate. Eine vorläufige Entscheidung wird spätestens im Juni 2013, die endgültige Entscheidung bis Ende 2013 erwartet. In Anbetracht der alarmierenden Situation im europäischen Solarmarkt, appelliert EU ProSun an die Kommission, das Verfahren zu beschleunigen
- Am 25. September 2012 hat EU ProSun bei der Europäischen Kommission eine Anti-Subventions-Beschwerde eingereicht. Am 8. November 2012 Europäische Kommission hat offiziell die Untersuchung eröffnet.
- Am 5. März 2013 startete die Europäische Kommission die Registrierung von chinesischen Solarprodukten aus China mit Wirkung zum 6. März 2013.
WAS PASSIERTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN?
- Chinesisches Preisdumping ist nicht nur ein Problem in der EU. Auch US-amerikanische Hersteller haben im Oktober 2011 entsprechende Handelspetitionen vorgebracht. Auch Indien versucht scheinbar eine Untersuchung in die Wege zu leiten.
- Im Mai 2012 hat das U.S.-Handelsministerium vorläufige Antidumpingzölle auf chinesische Solarzellen in Höhe von 30 bis 250 % verhängt. Die endgültige Entscheidung wird im Oktober/November 2012 erwartet.